"Benji's Memorial Malteser-Zucht"

Wenn der Berg nicht ..
Eine Kurzerzählung

Wenn der Berg nicht zu Mohammed kommt, muss der Mohammed zum Berg gehen, pflegte ein guter Bekannter solche Geschehnisse zu kommentieren. Denn was ich hier schildern will - und ich schwöre, dass es ganauso passiert ist - entspricht genau dem alten Wiener Sprichwort.

Natürlich rede ich weder über Berge, noch über irgendwelche Religion, wir sind da unter uns in der Malteser-Familie. Ja, es geht um einen süssen Malteser und um ein liebes kleines Mädchen.

Was ich erzählen will, fand schon vor ein paar Jahren statt. Das Mädchen, inzwischen fast ein Fräulein, ist immer noch lieb. Und der süsse Malteser, der ist inzwischen eine mehrfache Mutter geworden (aber süss ist sie immer noch, wenn sie nicht gerade fremde Katzen verwarnen muss). Aber das Gleiche wie damals wird heute sicher keine mehr tun!

Lassen Sie mich also erzählen, was damals geschah!

Alle kleine Kinder lieben kleine Hunde. Häufig hätten ihre Eltern auch Verständnis dafür, nur sind sie berufstätig oder gibt es andere Gründe, warum sie nicht mit den Hunden leben können oder wollen. Zum Glück hat das Mädchen, über das ich erzähle, Grosseltern, die sogar mehrere Malteser halten. So lernte das Mädchen von ihren ersten Schritten her die sanfte Berührung beim Ausruhen, das provozierende Stupsen mit der Nase beim Spiel, die wilde Verfolgungsjagd im Garten und das liebevolle Begrüssung beim Kommen kennen.

Wie wünschte sie sich auch einen Malteser, am liebsten nur für sie, zu haben! Leider waren die Erwachsenen vernünftig genug, diesen -in ihrer Situation unmöglichen- Wunsch nicht zu erfüllen. Bis sie eines Tages doch einem Kompromis zustimmten: das Töchterchen durfte sich von den Grosseltern einen ihrer Junghunde übers Wochenende ausleihen.

Die Grossmutter brachte also an einem schönen Samstag einen vierbeinigen Wolleknäuel zum Grosskind. Natürlich war sie dabei um das Wauwaueli besorgt! Deswegen trichtete sie dem Kind nachdrücklich ein, was man muss und was man nicht darf. Mit bebendem Herzen fuhr die Grossi nach Hause, um darüber zu grübeln, was alles bei diesem Experiment schief gehen könnte.

Der Tag ging im Spiel mit dem Hund langsam zu Ende. Nach dem letzten "Gassi gehen" verschwand das Mädchen überglücklich mit dem Hund in ihrem Zimmer und die beiden legten sich zum Schlaf.

Als dann am nächsten Morgen unsere Tochter schauen wollte, wie es dem Kind mit dem Hund gegangen ist, fand sie ihren Liebling - am Boden schlafend.

"Was ist um Gottes Willen passiert?" fragte sie entsetzt.

"Aber Mami", war die unschuldige Antwort des Kindes, "die Grossmutter sagte doch, ich dürfe den Hund nicht ins Bett nehmen, damit er nicht in der Nacht runter falle - also musste ich zu ihm runter! Wie könnte ich sonst mit ihm schlafen?"

(21.10.2003)


zurück